[DVD] Die Kinder der toten Stadt - Musikdrama gegen das Vergessen
#1
[Bild: dkdtsdvd.jpeg]



Von DR. SARAH KASS, LARS HESSE und THOMAS AUERSWALD
SCREEN LAND FILM Aufzeichnung der Uraufführung des PAPAGENO MUSIKTHEATERS FRANKFURT
Regie: HANS-DIETER und NIKLAS MAIENSCHEIN
Laufzeit: 87 Minuten


Das Werk erzählt von den inhaftierten Kindern und Jugendlichen im Ghetto Theresienstadt 1944 - nach wahren Begebenheiten.
Mit Prolog von IRIS BERBEN.


Besetzung:
Erzähler: Kammersänger Hubert Bischoff                              Hannah: Carolina Kascha
Albert: Lino Kalich                                                           Benjamin: Filip Niewiadomski
Michael: Julian Winkelmann                                               Lisa: Lia Winkelmann
Dana: Frida Killmer                                                          Kommandant: Tim Grothe
Komponist: Marc Ermisch                                                  Frau des Komponisten: Natalie Raggi
Lehrerin: Renate Maienschein                                            Pianistin: Karina Schwarz

Kinderchor:
Leitung: Karina Schwarz
Sean Balzereit, Fabiana Förch, Clara Geadah, Valerie Gorelikov, Kaan Hamurcu, Ava Killmer, Paula Killmer, Alexandra Marquard, Samuel Meller,
Selma Ramonat, Laurens Reinhart, Ben Schmitt, Justus Stolze, Lara Stolze, Eva Antonia Zukunft

Kammermusikensemble:
Leitung / Klavier: Seung-Jo Cha                                          Geige: Stany Anders
Bass: Don Hein                                                                Gitarre: Phillipp Romacker
Schlagzeug: Tobias Baum


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Website - Screen Land Film
Website - Papageno - Musiktheater am Palmengarten
Rezension - Die Kinder der toten Stadt - Hörspiel Edition


Handlung: "Dies ist nicht die Geschichte über Kinder in Not. Auch wenn sie allein davon handelt."

Nachdem der Erzähler den Zuschauer auf die Geschichte vorbereitet hat, lernt man nach und nach die inhaftierten Kinder der toten Stadt kennen. Sehnsüchte und Ängste werden angesprochen, aber auch der spielerische Umgang mit gefährlichen Situationen, der den Alltag erträglicher macht. Die Gefahr, die durch die Soldaten ausgeht, ist dennoch allgegenwärtig. Unter den Kindern ist auch Albert, dessen Bruder zur Zwangsarbeit eingeteilt wird, um einen neue Bahnlinie zu bauen. Später muss er hilflos mit ansehen, wie dieser von den Soldaten erschossen wird, weil ein anderer versucht hat aus der Gruppe zu entkommen. Auch Hannah ist inhaftiert und durch sie erfahren die Kinder, die auf dem Weg in die vor den Soldaten verheimlichte Schule sind, von einem Chor, der heimlich probt. Auch gehen Gerüchte um, dass eine Aufführung stattfinden soll. Dieses Gerücht wird später bestätigt, als der Komponist den Befehl erhält, eine Kinderoper zu schreiben, die vor Besuchern vorgeführt und gefilmt werden soll. Während der Komponist darin die Hoffnung sieht, auf die Zustände in der Stadt aufmerksam zu machen, wittert seine Frau darin eine List, um den Rest der Welt zu täuschen. Die meisten Kinder teilen die Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Situation und so beginnen die Proben für die Kinderoper "Der Fuchs", in deren Verlauf sich Hannah und Albert näher kommen und sich ineinander verlieben. Während der Geschichte fällt immer wieder ein kleiner Junge auf, der sich versteckt hält und mit einem Holzpferdchen in der Hand die anderen Kinder aus seiner Deckung heraus beobachtet. Als man mehr über seine Geschichte erfährt, versteht man sehr gut, weshalb er nicht auffallen möchte.

Die Aufführung der Oper rückt näher und es wird fleißig geprobt. Während der Proben müssen Kinder ausgetauscht werden, weil sie von einen Tag auf den anderen nicht mehr da sind. Die Hoffnung der Kinder und die Ängste der Erwachsenen, was nach der Aufführung passiert, gehen immer weiter auseinander. Das Ghetto wird renoviert und der Versuch, es wie eine normale Stadt aussehen zu lassen, wird für die Inhaftierten immer ersichtlicher. Unmittelbar vor der Aufführung bittet Albert Hannah darum, einen Fluchtversuch mit ihm zu wagen, da er in Freiheit leben möchte. Hannah entscheidet sich zu bleiben, da sie die kleineren Kinder nicht im Stich lassen möchte. Albert versucht die Flucht allein und wird dabei von Soldaten erschossen. Nachdem die Aufführung erfolgreich stattgefunden hat, erfährt man vom Erzähler, dass nahezu alle Beteiligten der Oper direkt danach ermordet worden sind. Als der kleine Benjamin sein Holzpferdchen neben den Erzähler ablegt und dieser es ergreift, wird deutlich, dass er selbst Benjamin ist.

Zur DVD: So großartig das Projekt ist, so muss man bei der DVD aus technischer Sicht ein paar Kompromisse eingehen. Zum einen ist die Aufnahme nicht in Kapitel unterteilt, was unpraktisch ist, wenn man die Aufzeichnung unterbrechen muss. Dazu ist das Bild in einigen Einstellungen sehr körnig, was vor allem diejenigen stören wird, die High Definition gewohnt sind und deren Bildschirme entsprechend groß sind. Bei der Audioqualität gibt es dagegen wenig zu meckern. Hie und da nehmen die Bühnenmikrofone Nebengeräusche auf, die nicht ganz ins Bild passen, die aber zu einer Liveaufnahme gehören. Bis auf den Prolog von Iris Berben gibt es leider auch kein Bonusmaterial. Ein paar Blicke auf die Vorbereitungen, ein paar Kommentare der Darsteller oder der Produzenten, wäre bestimmt interessant gewesen.

Mein Fazit: Schon die Hörspiel Edition von Die Kinder der toten Stadt ist mir sehr unter die Haut gegangen. Die Lieder jetzt nicht nur zu hören, sondern auch die Reaktionen der Darsteller sehen zu können, verstärkt dieses Gefühl noch. Trotz der jungen Besetzung ist die schauspielerische Leistung wirklich sehr gut und gerade die Mimik der Kinder wirkt sehr glaubhaft. Wer das Album kennt, ist natürlich andere Stimmen gewohnt, doch auch da braucht man keine Angst haben, dass es qualitativ Abstriche gibt. Man muss sich aber bewusst sein, dass Die Kinder der toten Stadt nicht unterhalten will. Das Ziel, an die Vergangenheit zu erinnern und gleichzeitig davor zu warnen, dass etwas Vergleichbares nicht noch einmal passiert, sorgt immer wieder für ein beklemmendes Gefühl. Dies merkt man auch dem Livepublikum an, denn Zwischenapplaus gibt es nicht und als am Ende der Kinderoper ein Darsteller in NS-Uniform hinter ihnen auftaucht und den Kindern applaudiert, merkt man jedem der Anwesenden an, wie unwohl er sich fühlt. Doch gerade wegen der dichten Atmosphäre und den aktuellen politischen Ereignisse sollte man sich die DVD anschauen und andere darauf aufmerksam machen. Für mich persönlich wäre eine Integration des Projektes in den Geschichtsunterricht sehr wünschenswert.

Der Punkteabzug ergibt sich also nur aus technischen Gründen. Wie schon beim Album gebe ich hier eine Sonderauszeichnung, um den Mut und die Wichtigkeit dieses Projektes zu untermalen und zu würdigen.

[Bild: bewertung4_5.png]                                [Bild: Bewertung_dvd.png]
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