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[Folk-Rock] Versengold - Eingenordet (2026) - Druckversion

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[Folk-Rock] Versengold - Eingenordet (2026) - Tommy2Rock - 11.01.2026

[Bild: eingenordet.jpg]


Release: 09. Januar 2026
Label: Küstenkind Records


Tracklist:
01. Der Tag mag kommen
02. Klabauterfrau
03. Falscher Leuchtturm feat. Madsen
04. Eingenordet
05. Dans op de Deel
06. Krug voll Mondenschein
07. Die halbe Welt
08. Ein neuer Morgen
09. Theaterliebe
10. Klopapier
11. Die Gonger kommen
12. Erde
13. Zwei Raben


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Versengold sind:
Malte Hoyer: Gesang & Flöte
Alexander Willms: Nyckelharpa, Violine & Concertina
Florian Janoske: Violine & Mandoline
Daniel Gregory: Gitarre
Eike Otten: Bass
Sean Lang: Schlagzeug & Klavier
Gastmusiker/innen:
Sebastian Madsen: Gesang (Falscher Leuchtturm)
Hauke Horst Rüdiger Ludwig Quaer: Saxophone (Klopapier)
Felix Nolte: Trompete (Klopapier)


Versengold haben mit "Eingenordet" ihr zehntes Studioalbum veröffentlicht und zeigen erneut, dass man modernen Folkrock machen kann, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Die 13 neuen Songs nehmen die Hörer mit auf eine spannende Reise, auf der man nicht nur tanzen und feiern kann. Denn wie immer erfährt man auch viel über Dinge, die Versengold in den letzten Monaten beschäftigt haben.

Mit "Der Tag mag kommen" gibt es direkt einen sehr starken Einstieg ins Album. Die flotte Folkrocknummer fordert nicht nur auf, im Hier und Jetzt zu leben, sie kann auch als Motivationslied dienen, um Sorgen und Probleme nicht zum täglichen Hauptthema werden zu lassen. Der im Chor gesungene Refrain klingt selbst aus dem Studio schon sehr energiegeladen und Sean verleiht dem ganzen am Schlagzeug auch noch ordentlich Druck. Die "Klabauterfrau" ist bereits seit Juli 2025 als Single veröffentlicht worden, wodurch das Lied nun nicht mehr so ganz frisch wirkt. Rhythmus und Melodie eigenen sich gut zum Feiern und der Text ist schnell gelernt. Nicht tiefgründig, aber für gute Laune und Spaß beim Zuhören und Singen sorgt die Nummer auf jedem Fall. Wer lieber Texte hört, die eine tiefere Bedeutung haben, wird bei "Falscher Leuchtturm" voll mitgenommen. Falsch entzündete Leuchtfeuer wurden früher dafür genutzt, um Schiffe in eine Falle zu locken. Versengold beschreiben mit dem Symbol des falschen Leuchtturms Personen, die andere Menschen täuschen wollen und warnen vor diesen "Lichtgestalten", die man zur Zeit überall auf der Welt findet. Weiter geht es mit dem Titellied des Albums "Eingenordet". Schlagzeug und Bass bilden hier den Grundstein für ein Lied, bei dem live vor der Bühne auf jeden Fall gefeiert wird. Passend zur Liebeserklärung an den Norden geht es dann mit "Dans op de Deel" weiter. Den plattdeutschen Text versteht man vielleicht nicht beim ersten Mal vollständig, aber das wird mit jedem Durchgang einfacher. Versengold selbst haben gesagt, dass Flos Violinenspiel an "Cotton Eye Joe" von Rednex erinnert und dieser Vergleich passt tatsächlich. Es ist schade, dass es nicht einen zusätzlichen instrumentalen zweiten Teil gibt, wie Versengold es schon bei anderen Liedern gemacht haben, denn rein von der Spielzeit her wäre der Platz dafür auf dem Album vorhanden. 

Nach den sehr temporeichen Liedern kommt die erste Ballade des Albums genau richtig, um durchzuatmen. "Krug voll Mondenschein" ist eine dieser typischen Versengoldballaden, bei der man direkt eine Gänsehaut bekommt. Schon bei den ersten Gitarrenklängen taucht man in die melancholische Atmosphäre des Liedes ein - ein großes Lob an Dan an dieser Stelle. Malte hat hier einen seiner besten Texte abgeliefert und sein gefühlvoller Gesang erzählt die Geschichte des Liedes wunderschön.Der besungene Mondenschein ist der rotwelsche Begriff für "nichts", der zum Beispiel für eine leere Truhe benutzt worden ist, die dann entsprechend Mondenschein enthielt. Da es in "Krug voll Mondenschein" um Vergänglichkeit geht, hat Malte diesen Begriff in den Text eingebaut. Nach der kurzen Atempause geben Versengold direkt wieder Vollgas. Während andere Bands einen harten Kurs gegen Rechts fahren - Mr. Hurley & die Pulveraffen sind ein sehr gutes Beispiel - gehen Versengold einen anderen Weg. Vielleicht ist "Die halbe Welt" ein wenig übertrieben, was die familiären Verbindungen angeht, aber die Hand zum Gespräch zu reichen anstatt anders Gesinnte sofort auszuschließen und zu beleidigen, ist ein Ansatz, über den man mal nachdenken sollte. "Ein neuer Morgen" ist für mich ein wenig unstimmig, was Text und Gesang angeht, denn irgendwie hätte Malte mehr Gefühl in seine Stimme einbringen können. Nicht dass es schlecht klingen würde, denn die Melodie ist wirklich schön, der Funke mag trotzdem nicht so ganz überspringen. Bei "Theaterliebe" geht es um Situationen, bei denen man sich selbst schon ein gedankliches Bild und Erwartungen aufbaut, wie sich die Begegnung mit einem Menschen entwickeln kann und wie es dann wirklich stattfindet. Musikalisch sehr stark und der Text ist auch sehr gelungen, der Chorus braucht aber ein wenig, bis er wirklich zündet. Richtig stark geht es dann mit "Klopapier" weiter, denn man hat immer Personen um sich herum, deren Name sich auf einer Rolle Klopapier sehr gut machen würde. Schon beim Lesen des Titels musste ich an Maltes Projekt Rummel Racke denken und der Text wurde auf dem Album "Liebe auf den ersten Schluck" tatsächlich schon einmal musikalisch verarbeitet. Die Versengoldversion ist um einiges schneller und klingt sehr gut, an den Charme der Rummel Rackeversion kommt sie aber nicht ran. Da ist es einfach Geschmackssache, welche man lieber hört. 

Dass Versengold Legenden und Mythen des Norden in ihren Liedern erzählen, ist ihren Fans bestens bekannt und "Die Gonger kommen" reiht sich wunderbar in diese Erzählungen ein. Der Gonger ist eine nordfriesische Sagengestalt, die als Wiedergänger erscheint, wenn jemand im Watt unschuldig ermordet wurde und dessen Geist über längere Zeit nach Gerechtigkeit verlangt. Versengold vermitteln sehr gut, wie eine Sichtung dieser Gestalt sich anfühlen würde, auch wenn sie die Gonger etwas anders beschreiben. Hier hört man auch die hervorragende Arbeit beim Mastering des Albums heraus, denn jedes Instrument ist perfekt in Szene gesetzt und aus dem Mix herauszuhören. "Erde" erinnert mich vom Arrangement an einige Lieder aus älteren Versengoldalben. Thematisch geht es um den Kreislauf des Lebens und das ein Teil von uns niemals wirklich geht. Wer "Haut' mir kein Stein" und "Lautes Gedenken" kennt und mag, wird auch "Erde" sofort ins Herz schließen. Mit "Zwei Raben" ist auch schon das Ende des Albums erreicht. Langjährige Versengoldfans werden bei diesem Lied besonders aufhorchen. Ich musste sofort an das MPS und die vielen nächtlichen Feuer denken, denn "Zwei Raben" passt einfach perfekt in diese Atmosphäre hinein. Damit verlässt man "Eingenordet" mit einer Gänsehaut und der Vorfreude auf Konzerte und die nächste Nacht der Balladen, für die sich einige Lieder schon in der Studioversion anbieten.

Wer sich das Album in physischer Form als CD holt, bekommt wie immer noch etwas mehr, als nur die Musik. Ben Urban (HYGIN GRAPHIX) hat wieder einmal für ein wunderschönes Artwork gesorgt, welches "Eingenordet" auch optisch zu einem Genuss macht. Die Bilder von Thorben Ziegler runden das Ganze dann noch ab. Dass Versengold das Album nicht nur an einem Ort aufgenommen haben, sondern zum Beispiel im Farida Studio und FatCat Studio, hat der Qualität des Album in keiner Weise geschadet. Das Mastering von Robin Schmidt (24-96 Mastering) oder im Falle von "Falscher Leuchtturm" von Christoph Beyerlein (Seperate Sound Studio) ist ebenfalls makellos. Natürlich gibt es auch für "Eingenordet" eine limitierte Fanbox und diese sogar in verschiedenen Varianten. In jeder Box enthalten sind:

- "Eingenordet" CD im Digipack
- "Eingenordet" Emaille-Tasse
- 6 handsignierte Autogrammkarten
- "Eingenordet" Münze im Samt-Säckchen
- QR-Code, über den man das Making of Video anschauen kann
- Logbuch mit Einblicken in die Entstehung des Albums

Im Küstenkindshop gab es neben der normalen Fanbox noch eine bereits ausverkaufte Variante, die exklusiv einen Küstenkind Records Patch enthielt. Bei Amazon ist statt des Patches ein Magnet enthalten, der das Albumcover im Format der Fanbox darstellt. Die Box und alle Inhalte sind sehr hochwertig produziert worden und sehen dazu auch sehr schön aus. Damit ist die Box ein tolles Sammlerstück für alle Versengoldfans und die, die es werden möchten. Wer den Inhalt der Box genauer betrachten möchte, darf gern auf mein Instagram Profil gehen und dort nachschauen.

[Bild: vgebox.png]


Mein Fazit: Versengold zeigen ein weiteres Mal, dass sie wahre Künstler darin sind, aktuelle Themen zu verarbeiten, ohne dabei den Spaß an ihrer Musik aus dem Auge zu verlieren. Dies liegt vor allem daran, dass sie in ihren Texten niemals versuchen, bestimmte Gruppen auszuschließen oder mit Nachdruck auf ihre Seite zu ziehen. Gleichzeitig fühlt und hört man, dass in jedem Lied das Herz und die Seele von Versengold stecken. Sie erzählen Geschichten, laden zum Feiern ein, regen hier und da auch zum Nachdenken an, und Balladen für die ein oder andere Gänsehaut sind auch vorhanden. Dadurch werden sowohl Fans der ersten Stunde mitgenommen als auch neue Hörer mit an Bord geholt. Für die kommende Festivalsaison ist jetzt schon vorhersehbar, dass laute Fanchöre zu den neuen Liedern erschallen werden. Die Kritik an einigen Liedern ist aufgrund der hohen Qualität des Albums fast schon Meckern auf höchstem Niveau. Insgesamt ist "Eingenordet" wieder ein hervorragendes Album, von dem ich kein Lied während des Anhörens wegdrücken würde. Versengold selbst singen, dass ihr Kompass nach Norden zeigt. Der Kurs für "Eingenordet" dürfte ohne Zweifel auch in Richtung der deutschen Albumcharts-Spitze stehen. Meine Anspieltipps sind "Der Tag mag kommen", "Falscher Leuchtturm", "Krug voll Mondenschein" und "Klopapier". Zuletzt wie immer der Hinweis, dass ihr die Band am Besten unterstützt, indem ihr euch das Album als CD holt und nicht nur streamt und wenn möglich auch zu Konzerten geht. 

[Bild: bewertung4_5.png]