Durchgehört
[Folkrock] Mythemia - Wolkenjäger (2026) - Druckversion

+- Durchgehört (https://durchgehoert.de/forum)
+-- Forum: Rezensionen (https://durchgehoert.de/forum/forumdisplay.php?fid=3)
+--- Forum: Musik (https://durchgehoert.de/forum/forumdisplay.php?fid=4)
+--- Thema: [Folkrock] Mythemia - Wolkenjäger (2026) (/showthread.php?tid=920)



[Folkrock] Mythemia - Wolkenjäger (2026) - Tommy2Rock - 14.07.2026

[Bild: wolkenjaeger.jpg]


Release: 17. Juli 2026
Label: NoCut Entertainment
Laufzeit: ca. 41 Minuten


Tracklist:
01. Land in Sicht
02. Wenn nicht jetzt?
03. Wolkenjäger
04. Nachtgeläute
05. Schlechte Heuer, guter Wind
06. Teufelskerl (feat. Harpyie)
o7. Juwelenfieber
08. Der Horizont ist bunt!
09. Ahoi
10. Loreley (feat. Pegleg Peggy)
11. Da trinken wir
12. Heute hier, morgen dort
13. Der Barde (2026) Bonussong


Homepage
Facebook
Shop
Youtube
Instagram


Mythemia sind:
Rodrigo Mansilla: Gesang
Thomas Pukrop: Geige, Gesang
Marc Brode: Bass, Gesang
Felix Tenten: Gitarre
Cedric Sowade: Schlagzeug


Mit ihrem vierten Studioalbum "Wolkenjäger" melden sich Mythemia in einem Gewand aus Folk und Rock zurück. Spielfreude wurde bei der Aufnahme der Songs groß geschrieben und diese ist den Liedern auch deutlich anzuhören. Mit guter Laune und keinem Blatt vor dem Mund laden Mythemia ihre Hörer'innen zu einer aufregenden Reise ein. Diese beginnt mit "Land in Sicht", einer flotten Folkrocknummer, deren Chorus deutlich zum Mitsingen auffordert. Auch wenn es eigentlich eine Geschichte über die Rückkehr in die Heimat ist, hätten Mythemia keinen besseren Song zum Start aussuchen können. Das Tempo wird bei "Wenn nicht jetzt?" nur leicht gedrosselt. Mit einer sehr eingängigen Melodie wird von der Geschichte eines Seefahrers erzählt, der in jungen Jahren von einem alten Kapitän mit auf die Reise genommen wird und im Laufe der Zeit selbst zum Kapitän wird. In dieser Position heuert er ebenfalls einen jungen Abenteurer an, womit sich der Kreis innerhalb der Geschichte schließt. Wenn ihr selbst zu einer Reise aufgefordert werdet, dann zögert nicht lange, denn wenn nicht jetzt, wann wäre dann ein guter Zeitpunkt dafür? Wer hat nicht selbst schon in den Himmel geblickt und ist den Wolken gedanklich hinterher gejagt? "Wolkenjäger" ruft dazu auf, den Mut zu fassen nach den Sternen zu greifen und eure Träume zu verwirklichen. Auch beim Titelsong ist Mitsingen Pflicht und man hört schon in der Studioversion, dass die Fans hier live nicht nur einmal zum Klatschen eingeladen werden. Kinderchöre in Liedern, die eh schon düstere Themen haben, verursachen bei mir ja gerne eine Gänsehaut. Bei "Nachtgeläute" fordert der Chor dazu auf, eine Hexe zu verbrennen. Der Text erinnert durch seinen Aufbau und die Reime an das bekannte "1..2..3 Freddy kommt vorbei". Doch so einfach ist es nicht, denn man weiß heute ja, dass verurteilte Hexen nur Sündenböcke waren. Keine Frau konnte sich sicher sein, nicht vielleicht als nächste Hexe verbrannt zu werden. Mit "Schlechte Heuer, guter Wind" haben Mythemia ein Seashanty im Gepäck, bei dem die Crew ordentlich auf Trab und bei Laune gehalten wird. Vielleicht bekommt man ja irgendwann Santiano ins Studio für einen gemeinsamen Song, passen würde es auf jeden Fall. Zum "Teufelskerl" haben Mythemia Harpyie als Feature eingeladen. Lasst euch von der fröhlichen Melodie nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein ernstes Thema besungen wird. Aellos und Rodrigos Stimmen harmonieren sehr schön miteinander und in den Soloparts verleiht Aello dem Song etwas Dämonisches. Dabei steckt der Dämon dieser Geschichte in einem selbst, wenn Sucht und Unsicherheiten zum Verlust der eigenen Identität führen. 

[Bild: mythemiaband.jpg]

Was bringen alle Schätze der Welt, wenn der größte Schatz der Welt im Leben fehlt? Genau diese Frage stellen Mythemia in "Juwelenfieber" und beantworten sie mit einer Mischung aus Sehnsucht und der Tatsache, dass nichts so wertvoll ist wie die einzig wahre Liebe. Der Song ist wunderschön, hätte aber durch weniger Tempo noch gefühlvoller wirken können. Ein politisches Statement setzt die Band anschließend mit "Der Horizont ist bunt". In den ersten Momenten hatte ich die Sorge, dass der Song zu sehr dem "Haifisch" von Mr. Hurley & Die Pulveraffen ähneln würde, doch nach dem Intro ist dies bis auf das Thema nicht mehr der Fall. Gemeinsam stehen Mythemia für Toleranz und Vielfalt und stellen sich allen entgegen, die mit Lügen und Hass versuchen, diese Harmonie unter den Menschen zu zerstören. Die Idee mit Santiano zusammenzuarbeiten hatte ich ja bereits und nachdem ich "Ahoi" gehört habe, ist dieser Wunsch sogar größer geworden. Der Chor klingt fantastisch und die Melodie setzt sich sofort im Ohr fest. Eine im Meer versunkene Crew singt ihr Lied ewig weiter und verleiht dabei eine Gänsehaut nach der anderen. Pegleg Peggy von Mr. Hurley & Die Pulveraffen ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und ihre Meinung sehr direkt auszusprechen. Es ist also nur logisch, dass Mythemia Peggy zu einem Song eingeladen haben, mit dem sie betonen wollen, dass "nein" eben "nein" heißt. Versteckt in einer sehr partytauglichen Melodie werden Situationen besungen, die Frauen tagtäglich erleben. Da sollten viele Männer mal genauer zuhören und dieses Verhalten überdenken und beenden. Mit "Darauf trinken wir" folgt die ruhigste Nummer des Albums. Ein wenig Melancholie beim Anstoßen in einer gemütlichen Runde gehört einfach dazu. Holt euch ein kühles Getränk und schunkelt dabei im Takt, am besten im Kreis eurer Freunde. "Heute hier, morgen dort" ist ein wahrer Klassiker und wurde hier von Mythemia auf ihre typische folkig-rockige Art neu aufgenommen. Wer wie Mythemia durch das Land tourt, wird den Text wahrscheinlich noch intensiver fühlen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Band gerade dieses sehr bekannte Lied ausgesucht hat. Als Bonussong haben Mythemia einen Klassiker aus dem eigenen Repertoire neu eingespielt. Ursprünglich war "Der Barde" auf dem Debütalbum "Weltenwanderer" zu hören. Damals noch mit Selkie Anderson als Sängerin der Band, die Mythemia 2018 verlassen hat. Nun gibt es den Song in der aktuellen Besetzung und mit Rodrigo Mansilla als Stimme in einer Studioversion. Ein sehr schöner Abschluss für eine abwechslungsreiche Reise mit vielen Höhepunkten.

Dass "Wolkenjäger" musikalisch und auch von der Klangqualiät absolut überzeugt, habe ich ja schon betont. Doch das Album ist durch sein Grafikdesign ein echter Blickfänger. Dinah Tenten (Homepage) hat das Gefühl des Titelsongs sehr schön grafisch umgesetzt und nicht nur mir ist der Gedanke gekommen, dass das Cover in Postergröße sehr dekorativ wäre. Außerdem hat sie auch Sticker zu "Der Horizont ist bunt" gestaltet, mit denen man die Botschaft verbreiten kann und selbst ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzt. Da ich sowieso immer empfehle, Alben in physischer Form zu kaufen, bekommt das Design einen Bonuspunkt als Kaufanreiz von mir.

Mein Fazit: Mythemia haben mit "Wolkenjäger" ein Album am Start, das euch mit guter Laune und viel Schwung durch den Sommer begleiten möchte und dabei Lust auf Festivals und Konzerte macht. Die Auswahl der Themen ist abwechslungsreich und auch die Songs, die eine tiefere Bedeutung haben und politische Stellung beziehen, ziehen die Stimmung nicht runter oder wirken, als wenn sie euch mit der Faust aufs Auge überzeugen wollen, dass ihr genau diese Weltanschauung haben müsst. Stattdessen seid ihr zu jeder Zeit eingeladen, laut mitzusingen und Spaß an der Musik zu haben. Die Kombination aus Spielfreude, mehr als einem Ohrwurm und technisch sehr gutem Klang bereitet sehr viel Freude. Das Songwriting wirkt an ein paar Stellen ein wenig zu gerade und ein paar Feinheiten im ein oder anderen Chorus hätten den Texten sehr gut getan. Viele der Themen hat man auch schon mal irgendwo ähnlich gehört, das liegt aber auch daran, dass sie sehr aktuell sind. Ich "meckere" hier natürlich auf sehr hohem Niveau, dessen bin ich mir bewusst. Zum Schluss wie immer mein Aufruf, das Album als CD nach Hause zu holen. Meine Anspieltipps sind "Land in Sicht", "Wolkenjäger", "Teufelskerl" und "Ahoi".  


[Bild: bewertung4_5.png]