[Fantasy-Folk] Kaspar und die Anderen - Einhörner sind fabelhaft (2026)
#1
[Bild: kudaesf.png]


Release: 31. Januar 2026
Label: Eigenvertrieb
Laufzeit: ca. 69 Minuten


Tracklist:
01. Wenn ich schonmal hier bin
02. Vorspiel
03. Wir sind die Musik
04. Böse Menschen
05. Wiedergänger Liedersänger
06. Werwölfe vom Düsterwald
07. Blatt im Wind
08. Lindenbaum
09. Vergeigt
10. Einhörner sind fabelhaft
11. Spielmann, spiel!
12. Zieh mit dem Wind
13. Kennst Du den Moment


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Kaspar und die Anderen sind:
Kaspar: Gesang, Gitarre & Komposition
Fendar: Bass, Gitarre & Gesang
Pathos: Schlagwerk & Gesang
Hinz: Violine & Gesang
Isol: Flöte, Harfe & Gesang
Johann: Add. Schlagwerk


Kaspar und die Anderen sind seit über 10 Jahren auf Mittelaltermärken und LARP Events unterwegs und begeistern mit ihrer Musik, die sie selbst als fantastischen Folk bezeichnen. Selbstgeschriebene Texte mit viel Charme und Humor sind ebenso ihr Markenzeichen, wie vielfältige und kreative Arrangements der Lieder. Dabei sind die Anderen immer wieder andere Musiker'innen, die je nach Auftritt und Anlass die Band ergänzen. Für die Liveaufnahme waren Fendar, Pathos, Hinz, Isol und Johann als die Anderen dabei. "Einhörner sind fabelhaft" ist das erste Album als Band. Live aufgenommen wurde es am 22. März 2025  vor eingeladenem Publikum, das sich vorher zu diesem Termin anmelden konnte.

Die Liveaufnahme beginnt mit "Wenn ich schon mal hier bin", in dem Kaspar zufällig an einem alten Gasthaus ankommt und diese Gelegenheit direkt nutzt, um ein wenig Musik zu machen. Das alte Gasthaus ist "links begrünt und ein klein wenig versifft", was es für mich direkt sympathisch macht, da ich selbst auch schon so beschrieben worden bin. Die ausgezeichnete Qualität der Aufnahme ist von Anfang an zu hören. Gesang und Instrumente sind wunderbar abgemischt, wodurch auch recht leise Details trotzdem zu hören sind. Wären die Ansagen und das Publikum nicht vorhanden, könnte man es auch für eine Studioaufnahme halten. Diesen Punkt schreibe ich jetzt, damit ich es nicht bei jedem Lied wiederholen muss. Im "Vorspiel" beweisen Kaspar und die Anderen, dass sie über sich selbst lachen können und stellen sich dabei noch dem Publikum vor. Auch wenn das "Vorspiel" sehr kurz ist, geht die Melodie trotzdem direkt ins Ohr und macht Lust auf mehr. "Wir sind die Musik" erzählt davon, dass Kaspar und die Anderen eigentlich keine Helden sind, sondern aus ganzem Herzen Spielleute, die ihre Musik und das Leben als Musiker'in lieben. Dennoch treten sie tapfer vor einen Drachen, um eine Prinzessin zu retten und spielen ihm ihre Lieder vor. An dieser sehr tanzbaren Nummer dürfte nicht nur der Drache seine Freude haben, denn still sitzen bleiben geht dabei nicht. Etwas ruhiger und ernster wird es bei "Böse Menschen", bei dem der bekannte Spruch "Böse Menschen kennen keine Lieder" auf die Probe gestellt wird. Während die ersten beiden Begegnungen mit singenden Menschen gut ausgehen, beweist die dritte Begegnung, dass auch böse Menschen Lieder kennen. Eine Tatsache, die man zur Zeit leider auf diversen Musikplattformen beobachten kann, auf denen fast täglich KI-generierte Lieder mit rechten und menschenverachtenden Texten hochgeladen werden. Von bösen Menschen wechseln Kaspar und die Anderen zu untoten Menschen oder besser gesagt einem "Wiedergänger Liedersänger". Aus der Not heraus, keine Musik in der Taverne zu haben, wird unter dem Einfluss von Alkohol beschlossen, dass man doch einen Barden exhumieren und wiederbeleben könnte, der dann dauerhaft für Unterhaltung sorgen kann. Dass dabei auch ein Hauch von Gefahr (und Tod) in der Luft liegt, dürfte nicht überraschen, und wenn man mal einen neuen "Wiedergänger Liedersänger" brauchen sollte, holt man eben einen neuen aus seinem Grab. "Wiedergänger Liedersänger" ist so wunderbar vollgepackt mit Wortspielen, dass man dieses Gutelaunelied allein deswegen schon mehrfach hören muss. Dass der Chorus ein sehr starkes Potenzial hat, euer nächster Ohrwurm zu werden, verstärkt den Wunsch es wiederholt zu hören enorm. Nachdem nun Zombies besungen worden sind, geht es im nächsten Stück um die "Werwölfe vom Düsterwald". Im Prinzip wird einfach nur eine Runde des fast gleichnamigen Spiels besungen, bei dem die Dorfbewohner von Düsterwald die Werwölfe enttarnen wollen, während diese die Dorfbewohner umbringen möchten. Laut Anmerkung im Booklet, von denen es viele gibt und die man selbst lesen sollte, basiert die Geschichte übrigens auf Kaspars Leben. "Werwölfe vom Düsterwald" ist ein flotter Song, der besonders bei Fans des Spiels ein Grinsen ins Gesicht verursachen wird. Ein kleiner Kritikpunkt muss an dieser Stelle aber genannt werden, denn die Stimme der Seherin im Lied ist leider sehr leise aufgenommen worden. Dadurch musste ich mir die Stelle mehrfach anhören, um sie zu verstehen.  Melancholisch und recht ernst für Kaspar und die Anderen geht es mit "Blatt im Wind" weiter. Während der Protagonist einen Strick um den Hals hat, weil er sein Leben beenden möchte, sieht er wie ein Blatt im Wind zu Boden fällt. Er hebt das Blatt auf und wirft es wieder in die Luft und durch die Schönheit dieses Anblick erkennt er, dass es auch in verzweifelten Situationen Dinge gibt, die es wert sind weiter zu leben. Trotz des ernsten Themas ist "Blatt im Wind" eine wunderschöne Ballade, die mit einer positiven Botschaft endet und die den Blick auf die einfachen, aber schönen Dinge im Leben öffnen möchte.


[Bild: kudaband.jpg]
(Foto: Klaas P. Oostlander)

"Lindenbaum" erinnert von der Geschichte her zuerst ein wenig an "Wir sind die Musik", denn auch hier geht es um einen Spielmann, der in Begleitung einer Gruppe zu Heldentaten aufbricht, auch wenn es sich hier am Ende nur um einen Traum handelt. So ergreift er seine Laute und zieht von da an durchs Land, um den Menschen durch Musik Mut zu machen, Hoffnung zu bringen und ihnen einen Lächeln zu schenken. Wer verträumte Balladen mag, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten. Wirklich jeder, der schon einmal ein Instrument lernen wollte, kennt die Frustration, wenn man irgendwie nicht besser wird, obwohl man sich alle Mühe gibt. Da ist es doch praktisch, dass bei "Vergeigt" eine Fee auftaucht und Fähigkeiten per Wunsch verbessern kann. Blöd hingegen ist es, den Wunsch gleich dreimal zu äußern und so übers Ziel hinauszuschießen und am Ende wieder schlecht zu spielen. Die Gitarre als Alternative zur Geige ist dann auch gar nicht so verkehrt und macht auch Spaß. Kaspar hat tatsächlich und ganz ohne Fee von Geige auf Gitarre gewechselt. Zum Glück ist ja Hinz mit seiner Geige dabei, der er wunderschöne Melodien entlocken kann. "Einhörner sind fabelhaft" ist eine Ode an Einhörner, die etwas anders verläuft als ich es erwartet hatte. Allerdings hätte ich dieses Lied vor ein paar Jahren gebraucht, als Einhörner wirklich überall waren und das "wie süß" zu einem "ich kotze Regenbögen" verwandelt hat, weil's einfach zu viel war. "Einhörner sind fabelhaft" ist wirklich ganz großes Kino und sollte jedem Einhornfan mal vorgespielt werden. Dass Kaspar und die Anderen das Zusammenspiel mit dem Publikum lieben, merkt man im Lauf des Albums immer wieder. So ergibt es natürlich Sinn, dass mit "Spielmann, spiel" auch eine direkte Aufforderung zum Mitsingen und -klatschen in der Setlist zu finden ist. Für gute Laune ist so bestens gesorgt und der Ruf für Zugaben ist so auch direkt festgelegt. "Zieh mit dem Wind" ist die Geschichte eines jungen Mannes, der jeden Abend in der Taverne sitzt und den Sagen und Legenden von Helden lauscht und dabei davon träumt, selbst solche Abenteuer zu erleben. Dies ändert sich, nachdem ein alter Mann ihn auffordert, sein Leben nicht nur in den Träumen zu erleben, sondern wirklich hinauszuziehen und seine Zeit zu nutzen. So zieht er mit dem Wind durch die Welt, um später selbst als Geschichtenerzähler andere zum Träumen zu bringen. "Zieh mit dem Wind" ist ein weiteres Beispiel dafür, was für ein hervorragender Geschichtenerzähler Kaspar ist. Auch hier wird sein Text wieder durch eine wunderschöne Melodie getragen. Den passenden Abschluss des Konzerts bildet "Kennst du den Moment". Während des Hörens musste ich an viele Abende auf Mittelaltermärkten denken, nachdem die Konzerte vorbei waren, die Mehrheit des Publikums schon gegangen ist, und wenn man dann gemeinsam am Lagerfeuer sitzt und jeder seinen Gedanken nachgeht. Genau dieses Gefühl fängt "Kennst du den Moment" sehr schön ein. Während man gedanklich schon darauf wartet, dass der Applaus langsam leiser wird und das Album so endet, kommt plötzlich noch eine Ansage, denn es gibt einen Bonustrack, der nicht erwähnt wird und auch nicht auf Streamingplattformen zu finden ist. Ein Grund mehr, sich das Album als CD zu kaufen. Kaspar und die Anderen erzählen von ihrem Traum, einmal beim Festival Mediaval dabei sein zu können und es fallen einige bekannte Namen. So endet das Album mit einem Schmunzeln und gedrückten Daumen, damit dieser Traum Wirklichkeit wird. 

Wie ich zu Beginn schon erwähnt haben, ist die Qualität dieser Liveaufnahme wirklich beeindruckend. Ein großes Lob geht deshalb an Fabian Kahlich, der die Aufnahme geleitet hat, sowie an Jannik Schmidt (Mixing) und Klaas P. Oostlander (Mastering), die ebenfalls großartige Arbeit geleistet haben. An vielen Stellen vergisst man beim Hören, dass "Einhörner sind fabelhaft" gar keine Studioaufnahme ist, bei der man viele Takes zusammenführen kann, um das beste Ergebnis zu erzielen. Doch auch optisch ist das Album ein Genuss, denn das Cover ist ein wahrer Blickfänger und erklärt außerdem auch, warum Einhörner so fabelhaft sind. Für Grafik & Design war Selina Thede verantwortlich, die zusammen mit Klaas P. Oostlander auch die Fotos im Booklet gemacht hat. Im Booklet findet man neben den Texten auch noch Anmerkungen zu den Liedern und Zeichnungen, die perfekt zum Humor der Lieder passen.

Mein Fazit: Selten hat mich eine Liveaufnahme so positiv überrascht und begeistert, wie "Einhörner sind fabelhaft" es geschafft hat. Die Aufnahme ist glasklar, das Publikum wirkt nicht wie ein Störfaktor, sondern ist Teil der Performance und Kaspar und die Anderen liefern in allen Bereichen voll ab. Die leicht nerdige Mischung aus Humor, Melancholie und Selbstironie wirkt nicht nur sehr sympathisch, sie kommt auch sehr authentisch rüber und das ganze mit Publikum aufzunehmen, trägt sehr zum Charme des Albums bei. Dies gilt auch für Momente, in denen kleine Fehler passieren oder etwas in der Aufnahme mal technisch nicht ganz passt. Da diese kleinen Kritikpunkte aber nichts am Hörerlebnis ändern und das Album von vorne bis hinten Spaß macht, habe ich deswegen keinen Punkt abgezogen. Die Texte sind großartig und alle Beteiligten dieser Aufnahme haben gezeigt, dass sie großartige Musiker'innen sind. Da man den Bonustrack nur auf der CD hören kann und auch das grafische Design für mich zum Komplettpaket gehört, ist meine Empfehlung ganz klar, das Album nicht nur zu streamen. "Einhörner sind fabelhaft" ist für mich jetzt schon eine der großen Überraschungen des Jahres und wird aus meinen Playlisten nicht so schnell verschwinden. Meine Anspieltipps sind "Wiedergänger Liedersänger", "Werwölfe vom Düsterwald", "Lindenbaum" und "Einhörner sind fabelhaft".

[Bild: bewertung5.png]
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